Maier, Martin: Der Mensch ist gut, nur die Leute sind schlecht.

Mit Karl Valentin Sinn und Wahnsinn des Lebens entschlüsseln.

Freiburg: Herder 2012. 120 S. Gb. 12,99.


Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Wer sich mit Valentins Humor bislang nur unzureichend beschäftigt hat oder sich mit seiner Groteskkomik schwer tut, dem sei dieses kluge Buch ans Herz gelegt, in dem die vielen Facetten Valentinschen Humors auf äußerst unterhaltsame und einleuchtende Weise aufgeblättert werden.


Der Jesuit und Theologe Martin Maier ist ein begeisterter Valentin-Jünger, seit er im Alter von zehn Jahren mit ersten Valentin-Sketchen infiziert wurde. Einfühlsam versucht er dem Ursprung und dem Wesen von Valentins Komik auf die Spur zu kommen, wobei er sich dem Tragikomiker auf den unterschiedlichen Ebenen seiner Kunst nähert, auf denen sich Valentin virtuos zu bewegen verstand.


Er zeigt ihn als Denker, der alles bohrend hinterfragt und oft genug verzweifelt versucht, die Widersprüchlichkeiten der Realität zu verstehen. Dabei bezog Valentin - dieser Schalk, dem die Melancholie im Nacken saß - stets das Scheitern in seine Bemühungen ein, wodurch ihm oft genug überraschende Erkenntnisse gelangen. Der Autor folgt ihm in die Absurditäten des Alltags, in denen sich Valentin stets aufs Neue verhedderte und führt die Valentinsche Weltanschauung, die eine ganz eigene ist, dem Leser nachvollziehbar vor Augen. Er verdeutlicht das Wesen dieses Hypochonders, Apokalyptikers und Angstneurotikers und vermag die Lust an den unerschöpflichen Valentinschen Wortverdrehungen zu wecken.


An vielen einleuchtenden Beispielen zeigt Maier, wie souverän der Komiker mit der Sprache experimentierte, wie er an ihr herumtüftelte und deutelte, die er mißtrauisch untersuchte und deren Witz er aufspürte und wie er dabei stets aufs Neue ihren Sinn, Unsinn und Irrsinn vorzuführen verstand. Doch nicht nur die Sprache erwies sich für Valentin als eine Welt voller Klippen und Tücken, unvorhergesehene Zwischenfälle und ständiges Mißgeschick begleiteten auch alle seine Handlungen.


Besonders interessant sind auch die Kapitel über Valentins Religiosiät und sein Verhältnis zu den letzten Dingen. Dem Autor ist es wichtig zu zeigen, daß Valentins Humor, auch wenn er "skurrile und anarchische Komponenten" aufweist, doch immer auch "Liebevoll-Augenzwinkerndes" enthält. Was das Buch so empfehlenswert macht, ist die Tatsache, daß es weniger den Groteskkomiker und Chaoten Valentin als vielmehr die vielen positiven Seiten dieses Multimediagenies und Philosophen entschlüsselt, der mit seiner Kunst auch den Menschen im 21. Jahrhundert viel zu geben vermag, denn gerade in unserer undurchschaubaren und wirren Zeit mit ihren paradoxen Verhaltensweisen und zwiespältigen Idealen ist jedem die Auseinandersetzung mit dem Denken Karl Valentins und seinem hintersinnigen Humor dringend zu empfehlen.

Alfons Schweiggert


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