Eckhard Breitinger

Chinua Achebe

Gründervater der afrikanischen Literatur

Seinen 80. Geburtstag beging Chinua Achebe am 16. November 2010. Die Brown University in Providence feierte ihren Gast mit einem Achebe Colloqium on Africa, zusammen mit Kollegen aus Literatur und Wissenschaft, aber auch mit Diplomaten, Politikern, Menschenrechtlern - eine erlauchte Gesellschaft, wie sie schon 2008 beim 50jährigen Jubiläum des Erscheinens von Achebes berühmtestem Roman "Things Fall Apart" zusammengekommen war.


Das Symposium zu Achebes 60. Geburtstag hatte noch in seiner Heimat an der University of Nigeria in Nsukka stattgefunden. Der Wissenschaftsstandort Rhode Island und Massachusetts war diesmal als Veranstalter gefragt, weil Chinua Achebe am 22. März 1990 auf der berüchtigten Straße von der Bezirkshauptstadt Enugu nach Onitsha Opfer eines schweren Unfalls wurde. Seither ist er querschnittsgelähmt und kommt als Rollstuhlfahrer in den USA besser zurecht als in Nigeria. Bard College - eines der amerikanischen "liberal arts colleges" - hat Chinua Achebe eine "behindertengerechte" Professur angeboten.


Schreiben für ein unabhängiges Nigeria


Chinua Achebe gilt als "Vater" der afrikanischen Literatur. "Things Fall Apart" aus dem Jahr 1958 war zwar nicht das erste englischsprachige Werk eines afrikanischen Autors. Sol Plaatje, Mitbegründer und Funktionär des African National Congress ANC in Südafrika, hat schon in den 20er Jahren den Roman "Mhudi" veröffentlicht. Und Amos Tutuola, Achebes nigerianischer Landsmann, hatte 1952 mit "The Palm Wine Drinkard" eine vom britischen Lyriker Dylan Thomas stürmisch gefeierte, innerhalb Nigerias aber umstrittene, der mündlichen Yoruba-Literatur nachempfundene Erzählung vorgelegt.


"Things Fall Apart" wurde schnell zum Beststeller, zum Leitstern einer kulturellen Entwicklung im Afrika der Unabhängigkeitsbewegungen, der Zeit des "national culturalism". Der Roman wurde millionenfach verkauft und übersetzt, mehrmals verfilmt, auch als Serie im nigerianischen Fernsehen. Chinua Achebe hat zwar keinen Literatur-Nobelpreis erhalten wie sein Landsmann Wole Soyinka 1986, aber sonst eigentlich alle denkbaren Literaturpreise und Auszeichnungen bekom-

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