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Werner Gatzweiler

Religiöse Erziehung und Bildung in Kindertages­ein­richtungen.

Religionspädagogische Anfragen

Kindertagesstätten (Kitas) stehen heute vor allem deswegen im Blickpunkt der Öffentlichkeit, weil die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder von einem bis drei Jahren erhöht wird, wobei man meistens über die Quantität und nicht über die Qualität diskutiert. Die Frage der Qualität soll von den sogenannten Bildungs- und Orientierungsplänen der Bundesländer geregelt werden. Zur Qualitätssteigerung von Kitas muß aber sicher auch die frühpädagogische Wissenschaft beitragen. Kann sie das?


In einem neuen Handbuch zur Pädagogik der frühen Kindheit, an dem etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mitgewirkt haben, stellen die beiden Herausgeberinnen fest, daß es noch nicht gelungen sei, in Deutschland eine ausreichende frühpädagogische Wissenschaft aufzubauen, so daß viele grundlegende Fragen offen seien (Fried u. Roux 2009). Offen sind größtenteils auch Fragen der Religionspädagogik. Hinzu kommt ein noch größeres Defizit auf seiten des speziellen religiösen Lernens, sowohl in bezug auf die Theorie als auch auf empirische Untersuchungen.


Die folgenden Überlegungen gehen von der "religiösen Erziehung und Bildung" aus, wie sie in den erwähnten Bildungsplänen konzipiert wird (vgl. ‹www.bildungsserver.de›). Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Es sind zum einen Pläne, die - wie in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen - einen eigenen "Bildungsbereich Religion" aufweisen, wobei Nordrhein-Westfalen zu seinen "Bildungsvereinbarungen" Grundsätze zur Bildungsförderung erlassen hat, in denen sich ein Bildungsbereich "Religion und Ethik" findet.


Die andere Kategorie umfaßt Bildungspläne, die Aussagen zur Religion enthalten, aber nicht als eigenes Bildungsfeld. Als Beispiel für Bildungspläne, die religiöse Bildung unterstützen, wird hier das Konzept von Rheinland-Pfalz, als Gegenbeispiel das von Berlin herangezogen. Neben den Bildungsplänen spielt freilich die Trägerschaft bei der religiösen Erziehung eine wichtige Rolle, wobei hier vereinfachend zwischen konfessionellen und nichtkonfessionellen Trägern unterschieden wird.

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