Original-Beitrag als PDF bestellen

Andreas R. Batlogg SJ

Das Konzil vor dem Ausverkauf?



Im Oktober 2009 wurde an dieser Stelle gefragt: "Ist das letzte Konzil 'Verhandlungsmasse'? Darf man um einzelne der 16 zwischen 1962 und 1965 verabschiedeten Texte feilschen wie im Basar?" Zitiert wurde dabei aus einer Erklärung der deutschen Bischöfe vom 5. März 2009: "Die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils gehören unaufgebbar zur katholischen Tradition." Deren "Lehrautorität" lasse sich "nicht im Jahr 1962 einfrieren": Niemand anderer als Benedikt XVI. hatte dies in einem Brief vom 10. März 2009 an die Bischöfe in aller Welt festgehalten, mit dem er seine Vorgehensweise gegenüber der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. - die Aufhebung der Exkommunikation der vier schismatischen Bischöfe - erläuterte. Eine "schleichende Aushöhlung und Demontage" des Konzils wurde im eingangs zitierten Text als drohende Gefahr angezeigt: "Das legitime Anliegen des Papstes ist und muß die Einheit der Kirche sein - aber um welchen Preis? Auch um den Preis, das Konzil abwerten oder halbieren zu lassen?"


Manches spricht jetzt dafür, daß es so kommt - mit unabsehbaren Folgen nicht nur für das, was man "Erbe des Konzils" nennt, an das fünfzig Jahre später ganze drei Jahre lang, von 2012 bis 2015, erinnert werden soll. Beschädigt würde - gesetzt den Fall - auch der Ruf des Papstes selbst, der nicht nur persönlicher theologischer Berater des Kölner Erzbischofs, Kardinal Joseph Frings, war, sondern auch offizieller Konzilsperitus. Joseph Ratzingers theologische Biographie ist eng mit dem Konzil verwoben.


Nun hat das vatikanische Presseamt am 14. September 2011 nach Abschluß der zwischen Oktober 2009 und April 2011 erfolgten, insgesamt acht Gesprächsrunden einer gemischten Studienkommission - zusammengesetzt aus Vertretern der Prie­sterbruderschaft St. Pius X. wie der Kongregation für die Glaubenslehre - eine Erklärung veröffentlicht: Ihre Aufgabe war, "die wesentlichen lehrmäßigen Schwierigkeiten über kontroverse Themen darzulegen und vertiefend zu erörtern, die gegenseitigen Positionen und Motivationen zu klären". Dieses Ziel sei erreicht. Die Glaubenskongregation sieht "als fundamentale Grundlage für den Weg zu einer vollständigen Versöhnung mit dem Apostolischen Stuhl die Akzeptierung des Textes der lehrmäßigen Präambel" an: "Diese lehrmäßige Erklärung" (die am 14. September übergeben wurde), "zählt einige Lehrprinzipien und Interpretationskriterien der katholischen Lehre auf, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche und das 'sentire cum ecclesia' ('Fühlen mit der Kirche') zu garantieren."


Welche "Lehrprinzipien und Interpretationskriterien" damit gemeint sind, sagt die Presseerklärung nicht. Genauso wie der Inhalt der "Präambel" geheim blieb. Alle Gläubigen haben aber ein Recht darauf, deren Inhalt zu erfahren. Irritieren muß auch

Probeabo bestellen Newsletter bestellen

Unsere Beiträge über das wichtigste Ereignis der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert. Mehr...