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Mariano Delgado

Religiöse Pluralisierung und Laizismus-Debatte in Spanien



sich durch das Migrationsphänomen in eine "multikulturelle und plurireligiöse" Gesellschaft verwandelt habe, brauche man nun eine neue Basis für die freie und plurale Ausübung des Rechts auf Gewissensfreiheit. Diese Basis soll also die Laizität sein, die als einzige "das Zusammenleben zwischen den Kulturen, Ideen und Religionen garantiert - ohne Unterordnung oder Vorrangstellung von Glaubens- formen".


Was damit gemeint ist, hat die PSOE bei ihrem 37. Kongreß vom 4. bis 6. Juli 2008 verdeutlicht. Unter "mehr Laizität" wird in den Beschlüssen10 vor allem das Zurückdrängen des Einflusses der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit verstanden. Das anvisierte Laizitäts-Statut und die Reform des Gesetzes über die Religionsfreiheit von 1980 sollen dazu helfen, die konfessionellen Privilegien (d.h. die Vereinbarungen vom 3. Januar 1979 zwischen dem spanischen Staat und dem Heiligen Stuhl) sowie die religiösen und liturgischen (d.h. katholischen) Symbole im öffentlichen Raum und bei Staatsakten (katholische Staatsbegräbnisse, Bibel und Kruzifix beim Amtseid usw.) abzuschaffen.


Eine größere Verdeutlichung der Stoßrichtung gegen die katholische Kirche gewinnt das Vorhaben der Sozialisten in den Büchern und Schriften über Laizität aus der Feder der Rechtsphilosophen, Theologen und Staatskirchenrechtler, die den "Laizismus der Neutralisierung" befürworten. Darin wird der Verfassung von 1978 und dem Gesetz über die Religionsfreiheit von 1980 vorgehalten, daß sie ein "Vertragssystem" zwischen Staat, Konfessionen und Religionen hervorgerufen haben, das Ungleichheit zwischen den Bürgern aus religiösen Gründen generiere. So sei die katholische Kirche aufgrund des "völkerrechtlichen" Charakters der Vereinbarungen zwischen dem Staat und dem Heiligen Stuhl sowie aufgrund der Inhalte derselben in einer besseren Position als andere Konfessionen und Religionen. Eine Angleichung nach oben unter Erweiterung der "Privilegien" der katholischen Kirche auf die anderen Konfessionen und Religionen wäre für die Laizisten keine Lösung. Denn das alte Modell, entstanden unter den Bedingungen eines konfessionellen Monokulturalismus, berücksichtige nicht den moralischen und religiösen Pluralismus und bringe die Laizität des Staates nicht deutlich zur Geltung. Heute sei ein neues Modell nötig, das die Rechtsgleichheit aller Bürger in religiösen Fragen garantiere und die Qualität der spanischen Demokratie verbessere. Dies ist auch der Tenor des jüngsten Manifestes von Peces-Barba. Nachdem er der katholischen Kirche insgesamt - nicht nur den spanischen Bischöfen - eine Leugnung der positiven Werte der Moderne und trotz "Gaudium et spes" eine prinzipielle Unverträglichkeit mit der Demokratie vorgehalten hat, verkündet er mit einem rhetorischen Feuerwerk sein laizistisches "Non possumus":


"Wir können die Ablehnung der Laizität nicht akzeptieren. Denn diese stellt das Wesen moderner Demokratie dar und garantiert die Gleichbehandlung aller Bürger. Wir können die öffentliche Anwesenheit religiöser Symbole nicht akzeptieren, die andere Religionen diskriminieren ...

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Christian Kummer SJ


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